Wenig Trauer bei den Nicht-Islamisten

(Der Artikel erscheint am 15.8.13 bei Deutsche Welle)

Bei dem Massaker von Kairo kamen hunderte Islamisten ums Leben. Doch viele Nicht-Islamisten zeigen nur wenig Trauer. Für sie war das brutale Vorgehen gegen die durch Propaganda dämonisierten Muslimbrüder unverzichtbar.

Einen Tag nach dem Massaker von Kairo ist die Stadt ruhig wie sonst nur an Wochenenden. Über 600 Menschen, überwiegend islamistische Demonstranten, waren nach Aussagen des aegyptischen Gesundheitsministeriums in Folge der Räumung zweier Protestcamps durch Polizei und Militär in Kairo getötet worden. Die tatsächlichen Opferzahlen dürften jedoch noch weit höher liegen. Denn das Gesundheitsministerium zählt nur die in staatliche Kranken- und Leichenhäuser eingelieferten Leichen. Zahlreiche Tote befinden sind jedoch in den Moscheen und anderen Orten nahe des zerstörten Protestcamps. Viele der wenigen Passanten, die man jetzt auf Kairos Straßen sieht, sind jedoch keineswegs geschockt oder bestürzt über die vielen Toten. Sie sprechen Weiterlesen

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Kämpfe auf Ägyptens Straßen nehmen zu

Demonstrierende Islamiten vor der Rednerbühne nahe der Kairo-Universität Foto: Matthias Sailer

Demonstrierende Islamiten vor der Rednerbühne nahe der Kairo-Universität Foto: Matthias Sailer

Die Islamisten weiten die Proteste gegen die Absetzung ihres Präsidenten aus. Einer ihrer Protestmärsche in Kairo zog provozierend nah an den Tahrirplatz. Es gab Tote und das Verhalten des Militärs wirft Fragen auf.

Sie kontrollieren die Personalausweise und dann geht es blitzschnell: die Wachen am Checkpoint stürzen sich auf die zwei Jugendlichen in blauen T-Shirts, ein Mann in schwarzer kugelsicherer Weste  packt Einen und gibt ihm einen heftigen Fußtritt. Anschließend werden sie von einer Gruppe Jugendlicher mit Knüppeln abgeführt. Die Beiden seien bezahlte Schläger des Innenministeriums, das hätten sie an einer Nummer im Ausweis erkannt, meint der Mann in der Weste. Er ist für die Sicherheit der Eingänge des Protestgeländes der Islamisten nahe der Kairo-Universität zuständig, das mit Barrikaden aus Parkbänken, Metallzaunteilen und anderen Gegenständen gesichert ist. Die Nerven liegen blank und die Stimmung ist äußerst angespannt. Doch die Sicherheitsvorkehrungen sind nicht unbegründet, sagt Mahmoud Abdallah, einer der Wachen. Nach der zweiten Rede von Ex-Präsident Morsi habe es einen Überfall der Polizei auf die Demonstranten gegeben, den er mit eigenen Augen gesehen habe: „Zwei Polizeifahrzeuge kamen auf uns zu und haben uns mit Tränengas beschossen. Unmittelbar darauf haben Weiterlesen

Millionen fordern den Sturz Morsis

(Der Artikel erscheint in aehnlicher Form am 25.6.13 bei Deutsche Welle)

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Freiwillige der Tamarod-Kampagne sortieren die gesammelten Unterschriftenformulare in ihrem Hauptquartier in Downtown-Cairo Foto: Hammuda Bdewi

Mit einer großangelegten Unterschriftenkampagne setzen Regimegegner die Muslimbrüder unter massiven Druck. Für den 30. Juni planen sie eine Großdemonstration in deren Folge es zu einem Gewaltausbruch kommen könnte.

Mohamed steht vor seinem winzigen Café. Es besteht aus einem Gaskocher in einem blauen Metallschrank an der Wand einer kleinen Gasse und zwei Plastikstühlen. Der 49-jährige ist wütend auf Präsident Mohammed Morsi und die Muslimbrueder. Den täglichen Euro, um seinen Sohn zu ernähren, könne er kaum noch aufbringen, da alles teurer werde. Hinzu kommen die ständigen Stromausfälle, die Benzinknappheit und viele gebrochene Versprechen. So wie Mohamed denken Viele. Laut eine aktuellen Umfrage des Zogby Instituts unterstützen nur noch 28% der Ägypter den Präsidenten. Mohamed legt noch nach: „Die Situation ist kaum erträglich. Unter Mubarak und seinem Innenminister ging Weiterlesen