Staatliche Kampagne gegen Islamisten

Ägyptens Sicherheitsapparat geht massiv gegen Anhänger und Führungsfiguren der Islamisten vor. Einiges deutet darauf hin, dass die Muslimbrüder zum Sündenbock gemacht werden sollen.

Nach dem Sturz Präsident Mohammed Morsi’s setzen Ägyptens Sicherheitsbehörden die Islamisten massiv unter Druck. Ägyptische  Menschenrechtsorganisationen versuchen, die Verhaftungen und sonstige repressive Maßnahmen zu dokumentieren. Doch wegen der großen Zahl an Verhaftungen, der Intransparenz der Behörden und der Geschwindigkeit der Ereignisse gestaltet sich ihre Arbeit schwierig. Karim Abdelrady, Rechtsanwalt und Wissenschaftler des „Arabic Network for Human Rights Information“ (ANHRI), teilt die Verhaftungen in zwei Kategorien ein: willkürliche  Massenverhaftungen von Unterstützern der Islamisten und Festnahmen von Führungsmitgliedern: „Während der letzten Zusammenstöße vor dem Gebäude der Republikanischen Garde wurden mindestens 650 Menschen verhaftet. Diese Leute waren keine Mitglieder der Führung der Muslimbruderschaft. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip an vielen Weiterlesen

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Nach Sturz: Islamisten geschockt aber entschlossen

Waechter

Nach dem Sturz Ihres Präsidenten sind Ägyptens Islamisten geschockt. Dennoch wollen sie weiterdemonstrieren. Massenverhaftungen durch das Militär blieben bisher aus und zu politischer Ausgrenzung soll es nicht kommen.

Ihre Gesichter sind betrübt und nachdenklich: in Nasser City, einem Außenbezirk Kairos, demonstrieren nach wie vor zehntausende Islamisten für Ihren gestürzten Präsidenten. Doch die Stimmung ist gedrückt. Der Anheizer auf der Rednerbühne gibt sich alle Mühe, die Menge anzustacheln, doch die Reaktion des Publikums bleibt im Vergleich zu den Tagen davor verhalten.  Einen Tag nach dem Sturz ihres Präsidenten Mohammed Morsi können Viele nicht glauben, was passiert ist. Hinzu kommt die Erwartung von Angriffen auf das Protestgelände und weiteren Verhaftungen ihrer Führer. Deutlich Mehr als noch vor einigen Tagen tragen Helme und Knüppel, um das Gelände im Fall des Falles verteidigen zu können. Die Eingänge sind mit Steinmauern gesichert hinter denen mehrere Reihen Jugendlicher mit Knüppeln und Schilden stehen. Die Sicherheitskontrollen sind scharf. Doch trotz anderer Befürchtungen blieben die Islamisten bisher überwiegend friedlich, erkennt auch Abdul Bar Zahran, ein Parteifunktionär der bisher Weiterlesen

Ägypter feiern Morsis Sturz

P1050091_JubelDie Mehrheit der Ägypter ist nach der Machtübernahme durch das Militär in Jubel ausgebrochen. Militär und Polizei haben unterdessen eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder begonnen.

Den ganzen Tag über warteten die Menschen auf das Ende des Ultimatums an Präsident Morsi. Am späten Nachmittag strömten wieder viele Hunderttausende Anti-Morsi Demonstranten auf den Tahrirplatz und vor den Präsidentenpalast.  Die Stimmung war bis dahin weit angespannter und ruhiger als in den letzten Tagen. „Ruhe, Ruhe!“ riefen einzelne Demonstranten als die Rede des Verteidigungsministers begann, die viele über Radio hörten. Nach wenigen Minuten explodierte die Menge dann in ohrenbetäubendes Freudengeschrei und der Tahrirplatz verwandelte sich in ein riesiges Fest. Feuerwerkskörper flogen in den Himmel, Menschen lagen sich in den Armen und weinten vor Freude. Sherif, ein Universitätsprofessor, ist einer von Ihnen: „Ich bin überglücklich, dass Weiterlesen

Ägyptens Islamisten kämpfen für Morsi

Foto: Matthias Sailer

Foto: Matthias Sailer

Auch die Islamisten demonstrieren seit Tagen in Kairo. Da ihr Präsident demokratisch gewählt wurde, lehnen sie strikt Neuwahlen ab. Die Gegendemonstranten sehen sie als korrupt und undemokratisch, sich selbst im Einklang mit dem Islam.

Es sind Hunderttausende, die an die Rabaa Al-Adawia Moschee in Nasser City, einem Stadtteil Kairos, gekommen sind. Wie schon in den Tagen zuvor demonstrieren  hier vor allem Anhänger der Muslimbrüder und zahlreicher salafistischer Gruppen für Präsident Mohammed Morsi. Gegen Abend suchen die Demonstranten einen Platz für das Gebet. Der Imam bittet über Lautsprecher Allah, dem Land, Präsident Morsi und den Menschen zu zeigen, was richtig und was falsch ist. Doch er lässt keinen Raum für Zweifel, wer im Recht ist. Kurz darauf ruft er schon „wir haben nicht gestohlen, sie stehlen. Wir sind friedlich, sie sind gewalttätig.“ Es ist eine klare Anspielung auf die Anti-Morsi Demonstranten. Diese Botschaft wird immer und immer wieder wiederholt und hat sich auch bei den Demonstranten eingebrannt, so zum Beispiel bei Mahmoud: „Die Menschen auf dem Tahrirplatz und dem Präsidentenpalast denken nur an ihre eigenen Interessen. Sie scheren sich nicht um das Land. Aber uns ist das Land wichtig. Die Demonstranten auf dem Tahrir sind alles Weiterlesen

Anti-Morsi Demonstranten bejubeln Ultimatum der Armee

Demonstranten vor dem Praesidentenpalast; Foto: Matthias Sailer

Demonstranten vor dem Praesidentenpalast; Foto: Matthias Sailer

Die Mehrheit der Demonstranten in Kairo ist euphorisch über das Ultimatum des Militärs an Präsident Morsi. Kritiker hoffen, dass sich das Militär nur vorrübergehend in die Politik einmischt. Die Islamisten fühlen sich verraten.

Man hätte glauben können es ist Sylvester: nachdem das Militär sein 48-Stunden Ultimatum an den Präsidenten gestellt hatte, den Konflikt mit der Opposition zu lösen, brach auf dem Tahrirplatz Begeisterung aus: buntes Feuerwerk wurde in den Himmel geschossen, die Luft roch nach verbranntem Schwarzpulver. Jubel brach aus und in weiten Teilen Kairos begannen Autofahrer zu hupen, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Menschenmassen strömten auf die Straßen, riefen an den Präsidenten gerichtet „Verschwinde!“ und liefen zum Tahrirplatz oder zum Präsidentenpalast. Mohammed, ein etwa 50-jähriger Arbeiter unterstützt die Armee: „Das ist sehr gut, denn Präsident Morsi, seine Anhänger und die Regierung sind nicht ausreichend qualifiziert, um das Land zu regieren. Das Militär hat eine gute Entscheidung getroffen, Morsi mehr unter Druck zu setzen. Denn früher oder später hätte er Weiterlesen

Millionen fordern den Sturz Morsis

(Der Artikel erscheint in aehnlicher Form am 25.6.13 bei Deutsche Welle)

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Freiwillige der Tamarod-Kampagne sortieren die gesammelten Unterschriftenformulare in ihrem Hauptquartier in Downtown-Cairo Foto: Hammuda Bdewi

Mit einer großangelegten Unterschriftenkampagne setzen Regimegegner die Muslimbrüder unter massiven Druck. Für den 30. Juni planen sie eine Großdemonstration in deren Folge es zu einem Gewaltausbruch kommen könnte.

Mohamed steht vor seinem winzigen Café. Es besteht aus einem Gaskocher in einem blauen Metallschrank an der Wand einer kleinen Gasse und zwei Plastikstühlen. Der 49-jährige ist wütend auf Präsident Mohammed Morsi und die Muslimbrueder. Den täglichen Euro, um seinen Sohn zu ernähren, könne er kaum noch aufbringen, da alles teurer werde. Hinzu kommen die ständigen Stromausfälle, die Benzinknappheit und viele gebrochene Versprechen. So wie Mohamed denken Viele. Laut eine aktuellen Umfrage des Zogby Instituts unterstützen nur noch 28% der Ägypter den Präsidenten. Mohamed legt noch nach: „Die Situation ist kaum erträglich. Unter Mubarak und seinem Innenminister ging Weiterlesen

Angriffe auf Ägyptens Regimegegner nehmen zu

Seit einigen Wochen sind Ägyptens Regimekritiker einer Flut von juristischen und gewalttätigen Angriffen ausgesetzt. Parallel schränken die Islamisten im provisorischen Parlament durch neue Gesetze die Grundrechte ein.

(Der Artikel erschien am 20.4.13 bei Deutsche Welle)

Öffentlich Kritik an Ägyptens Muslimbrüder-Regime zu üben, ist im Moment riskant: ein falsches Wort gegen den Präsidenten Mohammed Mursi oder Ägyptens Islamisten reicht, um wegen Beleidigung des Präsidenten oder des Islam angezeigt zu werden. Seit Mursis Machtübernahme gab es laut der „Egyptian Organisation for Human Rights“ (EOHR) ca. 600 offizielle Beschwerden gegen Medienschaffende. Die Muslimbrüder und ihr Präsident beschuldigen regimekritische Medien zudem regelmäßig, sie würden die Bevölkerung zu Gewalt anstiften. So kommt es, dass es nicht nur das Präsidialamt oder die Muslimbrüder selbst sind, die solche Gerichtsverfahren anstrengen, sagt Nihad Aboud von der „Association for Freedom of Thought  and Expression“, die sich für Pressefreiheit einsetzt: „Wenn der Staat Dir jeden Tag erzählt, dass die Medien zu Gewalt aufrufen und Hass verbreiten würden, kann man davon ausgehen, dass die Weiterlesen