Blut auf Kairos Straßen

Foto: Matthias Sailer

Foto: Matthias Sailer

Bei der Erstürmung der beiden Protestcamps der Islamisten durch Militär und Polizei sind in Kairo hunderte Demonstranten getötet worden.

Dutzende Mannschaftstransporter und Radpanzer haben die Zufahrtstrassen zum größten Protestcamp der Islamisten abgeriegelt. Die Offiziere verweisen auf die Gefahr und lassen niemanden durch. Journalisten werden durchsucht und abgewiesen. Mit regungsloser Miene sagt ein Soldat,  die Demonstranten würden im Camp ihre Zelte anzünden und sich gegenseitig erschießen, um die Sicherheitskräfte in ein schlechtes Licht zu rücken. Die absurde Bemerkung wirkt zynisch, wenn man bedenkt, dass Militär und Polizei das Camp angegriffen haben.

Einige hundert Meter entfernt haben sich tausende Islamisten an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt unter einer auf Betonpfeilern gebauten Stadtautobahn versammelt. Einige halten Steine in den Händen, viele beten auf dem Boden kniend. Sie sind aufgeregt und die Wut ist in ihren Gesichtern zu erkennen. Das Protestcamp ist nur noch einige hundert Meter entfernt. Eine Gruppe Demonstranten rennt verzweifelt eine Weiterlesen

Advertisements

Verschnaufpause in Kairo

Plakate ägyptischer Militärführer haben momentan Hochkonjunktur bei den Demonstranten auf dem Tahrirplatz.  Foto: Matthias Sailer

Plakate ägyptischer Militärführer haben momentan Hochkonjunktur bei den Demonstranten auf dem Tahrirplatz. Foto: Matthias Sailer

In Kairo hat die Gewalt vorübergehend gestoppt. Doch neue Demonstrationen sind bereits angekündigt. In der Zwischenzeit huldigen die Demonstranten auf dem Tahrirplatz dem Militär und schimpfen auf die Muslimbrüder.

Nach dem Gewaltausbruch zwischenNormalität in Kairo Pro-Morsi Demonstranten und nicht-Islamisten ist auf Kairos Straßen zumindest für den Moment wieder Ruhe eingekehrt. An einigen zentralen Verkehrsknotenpunkten gibt es zwar verstärkte Polizei- oder Armeepräsenz. Doch die meisten Cafés und Geschäfte sind geöffnet, als wäre nichts passiert. Familien gehen auf den Gehsteigen spazieren und junge Pärchen laufen den Nil entlang. Auf dem vor Kurzem noch blutig umkämpften Tahrirplatz hat sich das Publikum inzwischen jedoch verändert. Die obere Mittelklasse ist weniger zu sehen. Vor allem ärmere Jugendliche sind nun stark auf dem Platz vertreten: sie sind es, die die blutigen Kämpfe mit den Anhängern der Muslimbrüder an vorderster Front ausgefochten haben. Die Reaktionen auf die Gewalt sind gemischt. Einige sehen sie als ein vorübergehendes Phänomen, das nach ein oder zwei Wochen wieder verschwinden wird. Doch andere haben Angst vor Weiterlesen

Kämpfe auf Ägyptens Straßen nehmen zu

Demonstrierende Islamiten vor der Rednerbühne nahe der Kairo-Universität Foto: Matthias Sailer

Demonstrierende Islamiten vor der Rednerbühne nahe der Kairo-Universität Foto: Matthias Sailer

Die Islamisten weiten die Proteste gegen die Absetzung ihres Präsidenten aus. Einer ihrer Protestmärsche in Kairo zog provozierend nah an den Tahrirplatz. Es gab Tote und das Verhalten des Militärs wirft Fragen auf.

Sie kontrollieren die Personalausweise und dann geht es blitzschnell: die Wachen am Checkpoint stürzen sich auf die zwei Jugendlichen in blauen T-Shirts, ein Mann in schwarzer kugelsicherer Weste  packt Einen und gibt ihm einen heftigen Fußtritt. Anschließend werden sie von einer Gruppe Jugendlicher mit Knüppeln abgeführt. Die Beiden seien bezahlte Schläger des Innenministeriums, das hätten sie an einer Nummer im Ausweis erkannt, meint der Mann in der Weste. Er ist für die Sicherheit der Eingänge des Protestgeländes der Islamisten nahe der Kairo-Universität zuständig, das mit Barrikaden aus Parkbänken, Metallzaunteilen und anderen Gegenständen gesichert ist. Die Nerven liegen blank und die Stimmung ist äußerst angespannt. Doch die Sicherheitsvorkehrungen sind nicht unbegründet, sagt Mahmoud Abdallah, einer der Wachen. Nach der zweiten Rede von Ex-Präsident Morsi habe es einen Überfall der Polizei auf die Demonstranten gegeben, den er mit eigenen Augen gesehen habe: „Zwei Polizeifahrzeuge kamen auf uns zu und haben uns mit Tränengas beschossen. Unmittelbar darauf haben Weiterlesen

Ägypter feiern Morsis Sturz

P1050091_JubelDie Mehrheit der Ägypter ist nach der Machtübernahme durch das Militär in Jubel ausgebrochen. Militär und Polizei haben unterdessen eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder begonnen.

Den ganzen Tag über warteten die Menschen auf das Ende des Ultimatums an Präsident Morsi. Am späten Nachmittag strömten wieder viele Hunderttausende Anti-Morsi Demonstranten auf den Tahrirplatz und vor den Präsidentenpalast.  Die Stimmung war bis dahin weit angespannter und ruhiger als in den letzten Tagen. „Ruhe, Ruhe!“ riefen einzelne Demonstranten als die Rede des Verteidigungsministers begann, die viele über Radio hörten. Nach wenigen Minuten explodierte die Menge dann in ohrenbetäubendes Freudengeschrei und der Tahrirplatz verwandelte sich in ein riesiges Fest. Feuerwerkskörper flogen in den Himmel, Menschen lagen sich in den Armen und weinten vor Freude. Sherif, ein Universitätsprofessor, ist einer von Ihnen: „Ich bin überglücklich, dass Weiterlesen