Kurzmitteilung

Bin bis zum 1.8.2013 nicht in Aegypten.

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Welle der Ausländerfeindlichkeit in Ägypten

Eine Welle der Ausländerfeindlichkeit überflutet momentan Ägypten: nicht nur US-Amerikaner, sondern vor allem Syrer und Palästinenser leiden massiv unter der vom neuen Regime tolerierten Medienhetze.

Ausländer haben es in Ägypten gegenwärtig nicht leicht: von staatlich tolerierter Medienhetze angestachelt werden sie von vielen Ägyptern misstrauisch beäugt oder gar angefeindet. Da sind zuerst die USA: Demonstrationen –egal ob von den Islamisten oder deren Gegnern- sind aktuell meist übersäht von durchgestrichenen Obama-Portraits. Über Fotos der US-Botschafterin liest man üble Beschimpfungen und kaum ein Demonstrant lässt ein gutes Haar an den Amerikanern. Selbst auf großen öffentlichen Plätzen kann man überdimensionale Spruchbänder sehen, die die US-Regierung attackieren. Die Nicht-Islamisten beschweren sich, dass die USA dem autoritären Gebaren der Muslimbrüder solange tatenlos zugesehen haben. Die meisten Islamisten hingegen hassen die USA, weil sie ihrem gewählten Präsidenten Mohammed Morsi die Unterstützung entzogen hätten. Viele Ägypter sind geradezu besessen von Verschwörungstheorien, so zum Beispiel Mohammed Hassen, ein Islamist: „Wir hatten Demokratie, aber das Militär wollte das nicht. Das Militär hat viel Druck von den USA und Europa bekommen, Morsi zu stürzen, weil die ihre eigenen Interessen in Ägypten haben.“

Viele Syrer haben Angst

Doch weit schlimmere Ausmaße hat die Hetze gegen syrische Flüchtlinge und Palästinenser angenommen. Seit den ersten gewaltsamen Weiterlesen

Staatliche Kampagne gegen Islamisten

Ägyptens Sicherheitsapparat geht massiv gegen Anhänger und Führungsfiguren der Islamisten vor. Einiges deutet darauf hin, dass die Muslimbrüder zum Sündenbock gemacht werden sollen.

Nach dem Sturz Präsident Mohammed Morsi’s setzen Ägyptens Sicherheitsbehörden die Islamisten massiv unter Druck. Ägyptische  Menschenrechtsorganisationen versuchen, die Verhaftungen und sonstige repressive Maßnahmen zu dokumentieren. Doch wegen der großen Zahl an Verhaftungen, der Intransparenz der Behörden und der Geschwindigkeit der Ereignisse gestaltet sich ihre Arbeit schwierig. Karim Abdelrady, Rechtsanwalt und Wissenschaftler des „Arabic Network for Human Rights Information“ (ANHRI), teilt die Verhaftungen in zwei Kategorien ein: willkürliche  Massenverhaftungen von Unterstützern der Islamisten und Festnahmen von Führungsmitgliedern: „Während der letzten Zusammenstöße vor dem Gebäude der Republikanischen Garde wurden mindestens 650 Menschen verhaftet. Diese Leute waren keine Mitglieder der Führung der Muslimbruderschaft. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip an vielen Weiterlesen

Islamisten inszenieren sich neu

Fastenbrechen vor Schuetzenpanzern;  Foto: Matthias Sailer

Fastenbrechen vor Schuetzenpanzern; Foto: Matthias Sailer

Erneut demonstrierten in Kairo Nicht-Islamisten und Morsi-Anhänger. Die Islamisten inszenieren sich als Revolutionäre und versuchen zunehmend, den Protest von der Person Mohammed Morsi zu lösen.

Es wäre eine fast friedliche Atmosphäre: vor dem Präsidentenpalast haben sich etwa 200 Anti-Morsi Demonstranten versammelt, um um 19h gemeinsam das Fasten zu brechen. Auf dem Asphalt sind Decken ausgebreitet und Männer, Frauen und Kinder aller Altersklassen breiten auf ihnen Essen und Getränke aus. Doch die Stimmung ist auch gespannt. Immer wieder brechen kleinere Handgemenge zwischen einigen der jüngeren Demonstranten aus. Einige sind versteckt mit Messern bewaffnet. Denn das Picknick findet vor dem Präsidentenpalast statt. Sechs Schützenpanzer hinter einem Stacheldrahtverhau schützen nicht nur den Palast, sondern auch Weiterlesen

Herausforderungen für Ägyptens „Liberale“

Bisher hält die Einigkeit der ägyptischen Nicht-Islamisten. Doch die Spannungen bleiben:  Die Konflikte zwischen Sympathisanten des Mubarak-Regimes und liberalen Revolutionären bergen große Herausforderungen.

Seitdem die Muslimbrüder gestürzt wurden, ist Ägyptens nicht-islamistische Opposition im politischen Aufwind. Mit Mohammed El-Baradei stellen sie jetzt den Vizepräsidenten des vom Militär eingesetzten Präsidenten. Und zumindest bisher hält die mühsam errungene Einigkeit der vielen nicht-islamistischen politischen Parteien und Gruppen. Niemand hat die Niederlage im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen 2012 vergessen. Hätten sie sich damals alle auf einen Kandidaten geeinigt, wären die Muslimbrüder vermutlich nie an die Macht gekommen. Auch die Tamarod-Kampagne, die am 30. Juni Millionen von Ägyptern auf die Straße brachte, reflektiert diese Einigkeit. Laut Mohamed Doss, einem der Gründer der Kampagne, kommen die meisten Tamarod-Organisatoren aus eben diesen politischen Parteien und Gruppen. Doch nun, da Mohammed Morsi abgesetzt ist, wird es zunehmend schwieriger werden, diese Einigkeit aufrecht zu halten. Ziad El-Alemi, Mitbegründer der ägyptischen Sozialdemokraten und ehemaliges Parlamentsmitglied, ist Weiterlesen

Schock und Trauer bei den Islamisten

Eine Trennmauer trennt die Demonstranten vom Militär.  Foto: Matthias Sailer

Eine Trennmauer trennt die Demonstranten vom Militär. Foto: Matthias Sailer

Nachdem das Militär 50 Islamisten auf einer Pro-Morsi Demonstration erschossen hat, sind viele Betroffene im Schock. Die Muslimbrüder versuchen, das Blutbad für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.  

Die Stimmung auf dem Protestgelände der Islamisten ist ruhiger als noch vor zwei Tagen: mindestens 50 Islamisten haben Soldaten der ägyptischen Armee am Montagmorgen nahe dem Gelände  erschossenen. Hinzu kommt ein Soldat. Seitdem sind die Demonstranten nachdenklich, traurig aber auch tief verbittert. Symbolisch tragen einige von ihnen einen Holzsarg auf die Rednerbühne. Ein Sprecher sagt, dass jetzt die wahre Revolution beginnen würde. Safwat Higasi, ein bekannter Fundamentalist, verkündet dass sie über den heute (10.7.13) beginnenden Fastenmonat Ramadan weiter auf dem Gelände kampieren werden. Er fügt entschlossen hinzu: “Märtyrer, wir werden ihnen Wut und Zorn zeigen und ihnen Manieren beibringen.“ Verteidigungsminister Al-Sisi sei wie Syriens Bashar Al-Assad: Assad bombardiere Moscheen und Al-Sisi schieße auf Betende. Es ist eine Anspielung darauf, dass das Militär die Islamisten angeblich beim Beten erschossen hätte. Fast alle Demonstranten vertreten diese Position. Überhaupt wird jedes politische Argument mit der Religion verknüpft. Mohamed Sherif zum Beispiel sieht die Demonstration als von Gott gewollt: „Wir sind hier Weiterlesen

Islamisten verschärfen Ihre Rhetorik

Foto: Matthias Sailer

Foto: Matthias Sailer

Die gegen die Absetzung ihres Präsidenten demonstrierenden Islamisten fallen mit zunehmend radikaleren Aussagen auf. Fehler gestehen sie nach wie vor nicht ein, sondern rechtfertigen sie mit Verschwörungstheorien.

Hunderttausende Islamisten kamen an diesem Abend wieder in Nasser City, einem Außenbezirk Kairos, zusammen. Neben den Muslimbrüdern versammeln sich hier auch zahlreiche salafistische Gruppen. Zwischen den ägyptischen Fahnen sieht man die Saudi Arabiens und die schwarze Flagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis, die oft von Al-Kaida verwendet wird. Die Anführer eintreffender Märsche skandieren „islamisch, islamisch!“ und rufen „für den Islam opfern wir unsere Seele und unser Blut!“. Die Menge ruft die Sätze im Chor zurück.

Doch plötzlich wird es laut: acht Kampfjets der ägyptischen Luftwaffe donnern über das Protestgelände, teilen sich in zwei Viererformationen und formen mit weißem Rauch ein großes Herz an den blauen Himmel. Für Sekunden hören die martialischen Rufe auf. Alle richten ihre Köpfe nach oben und staunen über das Herz am Himmel. Auf vielen Gesichtern sieht man ein Lächeln, Jubel bricht aus. Doch  eine laute Weiterlesen