Polizeibrutalität in Ägypten

Auch unter Präsident Mohammed Morsi foltert und verprügelt die Polizei ägyptische Bürger. Opfer, die sich wehren wollen, werden unter Druck gesetzt. Menschenrechtler zweifeln an Morsis Willen, die Polizei zu reformieren.

Dass die ägyptischen Sicherheitsdienste nicht zimperlich mit Regimekritikern umgehen, ist bekannt. Doch selbst für ägyptische Verhältnisse ist die Anzahl der Berichte über Folter, Demütigungen und andere Polizeigewalt der letzten Wochen hoch: die Arbeitsweise von Mubaraks Polizeiapparat hat sich knapp acht Monate nach der Wahl des Muslimbruders Mohammed Morsi zum Präsidenten kaum verändert. Farida Makar ist Wissenschaftlerin am Cairo Institute for Human Rights Studies und bestätigt dies: „Das bedeutet, dass in Polizeistationen weiterhin gefoltert wird, dass weiterhin exzessive Gewalt gegen Demonstranten angewendet wird und dass nach wie vor alles Handeln von einer Sicherheitsmentalität bestimmt wird.“

Was das in der Praxis heißt, musste der 48-jährige Hamada Saber erfahren. Während einer Anti-Morsi Demonstration vor dem Präsidentenpalast wurde er von der Polizei brutal verprügelt, nachdem ihm zuvor die Kleider vom Leib gerissen wurden. Anschließend schleiften ihn die Polizisten nackt über den dreckigen Asphalt und zerrten ihn in einen Polizeitransporter.  Die gesamte Szene wurde live im Fernsehen übertragen. Für Farida Makar ist der Fall jedoch nicht ungewöhnlich: „Jemanden auszuziehen, ihn dann zu verprügeln und schließlich von einem in den nächsten Raum zu zerren, stellte unter Mubarak eine Standardprozedur bei Weiterlesen

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Polizeigewalt vor dem Präsidentenpalast

Am Freitagabend kam es in Kairo zu heftigen Kämpfen am Präsidentenpalast. Die Polizei schoss mit scharfer Munition auf Demonstranten. Es gab mindestens einen Toten. Ein brutaler Polizeiübergriff erzeugte großes Aufsehen.

Im Sekundentakt fallen die Schüsse der Schrotgewehre der paramilitärischen Polizei. Die Stimmung ist angespannt und ernst. Da wird kein Tränengas geschossen –diesmal ist die Munition scharf. Alle wissen, dass sie hier ihr Leben aufs Spiel setzen. Zwei junge Männer tragen ihren verletzten Freund zu einem Krankenwagen. Er hat einige Schrotkugeln in den Oberschenkel bekommen. Doch selbst im Krankenwagen ist Vorsicht angebracht. Ein Fotograf berichtete, dass er vor wenigen Minuten selbst in einem Krankenwagen war, der von umherfliegendem Schrotkugeln getroffen wurde. Gegenüber dem Rettungsfahrzeug sitzt der 27-jährige Hazim auf dem Bordstein. Eine Gasmaske liegt neben ihm: „Sie haben Massen an Tränengas eingesetzt, etwa fünf oder sieben Geschosse auf einmal. Auch mit Schrot schießen sie auf die Leute. Vor etwa zehn Minuten haben sie begonnen, von den Dächern der umliegenden Gebäude auf uns zu schießen.“ Da oben habe Weiterlesen