Ägyptens Christen haben Angst

Die Jungfrau Maria Kirche in Imbaba (Kairo) wurde im Mai 2011 von radikalen Islamisten niedergebrant. Foto: Matthias Sailer

Ägyptens Christen haben Angst vor der neuen Macht der Islamisten. In einem christlich geprägten Stadtteil Kairos beklagen sie sich über Haßprediger, mangelnde Meinungsfreiheit und die erzkonservative koptische Kirche.

Auf den ersten Blick erscheint Imbaba wie viele andere arme Bezirke Kairos auch: das Gehupe der sich durch die Straßen quälenden alten Autos ist ohrenbetäubend und kaum ein Meter Asphalt ist nicht von kleinen Straßenhändlern besetzt. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man die Kirchen, die anzeigen, dass hier viele Christen leben.  Eine dieser Kirchen, die Jungfrau Maria Kirche, hat im letzten Jahr traurige Berühmtheit erlangt, als sie von einem wütenden Mob muslimischer Extremisten in Brand gesteckt wurde. Vor ihr steht Hany Adly, ein 29-jähriger koptischer Christ, der hier aufgewachsen ist und von Kind auf mit Diskriminierung und Engstirnigkeit konfrontiert wurde: „In Imbaba wurden viele radikale Islamistengruppen herangezüchtet. Der Stadtteil eignete sich hervorragend, um ihre Ideologie zu verbreiten. Sie kontrollieren das Denken vieler Menschen durch Predigten oder indem sie billige Lebensmittel anbieten.“

Hany sieht vor allem die Weiterlesen

Mursis neue Außenpolitik: Das Volk redet mit

Über Jahrzehnte hinweg bestimmten Ägyptens Diktatoren die Außenpolitik des Landes. Für die Interessen des Westens waren sie nützliche Verhandlungspartner, da sie in ihren Entscheidungen den Willen des Volkes nur begrenzt berücksichtigen mussten. Ein großer Teil der Außenpolitik Mubaraks zielte darauf ab, eine kleine Gruppe Verbündeter zu bereichern. Das Volk hat davon kaum profitiert.  Mit dem demokratisch gewählten Präsidenten Mursi hat sich diese Situation verändert. Das Volk spricht nun mit –auch in der Außenpolitik. Osama Nour El-Din, Leiter des wissenschaftlichen Dienstes der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der Muslimbrüder, formuliert es so:

„Unter Mubarak waren wir blind den USA gefolgt. Aber das ist jetzt anders. Jetzt dient unsere Außenpolitik deren und unseren Interessen. Wir wollen, dass die Ägypter die Effekte der ägyptischen Außenpolitik spüren.“

Die Mehrheit der Ägypter sieht die USA negativ

Diese Zäsur wird deutliche Veränderungen im zukünftigen Umgang Ägyptens mit den USA, Israel und auch Europa mit sich bringen. Eine Kostprobe waren die Weiterlesen

Wütende Proteste an der US-Botschaft in Kairo

Aufgebrachte Demosntranten marschieren vom Tahrirplatz in Richtung US-Botschaft. Auf dem Boden sind noch die Steine aus der Straßenschlacht vom Vortag sichtbar. Foto: Matthias Sailer

Nur kleinere Menschenansammlungen füllen Kairos Tahrirplatz. Dort wo oftmals Hunderttausende gegen Mubarak demonstriert hatten, sind es heute nur etwa 2000. Doch die Ruhe täuscht. Im Hintergrund hört man ein- zweimal das Donnern von Tränengasgeschossen. Es kommt aus der Straße, die in Richtung US-Botschaft führt. Etwas davon entfernt haben sich einige hundert versammelt und hören den Worten eines Predigers.

Es sind überwiegend Salafisten, die einer wörtlichen Lesart des Korans folgen. Man könnte die Ansammlung für ein normales Freitagsgebet halten, wären da nicht die vielen anklagenden Transparente und Plakate. Auf einem steht geschrieben „Prophet, wir opfern unser Blut für Dich! Überall wehen grüne und schwarze Fahnen mit dem islamischen Glaubensbekenntnis, ähnlich denen  von Al-Kaida. Die Anwesenden sind verärgert wegen des in den USA produzierten Films, der ihren Propheten als Kinder schändenden und blutrünstigen Verbrecher darstellt. „Hör hin Obama, wir alle sind  Osama!“ brüllen sie aus voller Brust, um zu zeigen, dass Sie für ihren Propheten sogar bereit sind zu sterben. Der 30-jährige Tamer Salah macht seine Forderungen an Weiterlesen

Größtmögliche Beleidigung der Muslime

Demonstranten zerreisen (und verbrennen anschliessend) eine amerikanische Flagge vor der US-Botschaft in Kairo (12/09/12). Foto: M. Sailer

„Unschuld der Muslime“ ist der Titel eines Films, dessen Trailer eine Welle der Wut und Aggression in zahlreichen muslimischen Ländern ausgelöst hat. In Ägypten demonstrierten ca. 1500 Menschen vor der US-Botschaft, verbrannten amerikanische Fahnen und sprühten Al-Kaida verherrlichende Parolen an die Botschaftsmauer. In Tunesien und Libyen kam es zu ähnlichen Protesten und in Afghanistan ist die Angst vor Unruhen so groß, dass Präsident Karzai eine Reise nach Oslo absagte. Pläne für Demonstrationen gibt es auch in Algerien, Gaza und dem Irak.

Der 15-minütige Trailer schlägt so hohe Wellen, weil er den Propheten Mohammed in ungewöhnlich herabsetzender Weise beleidigt. In konservativen Gesellschaften, zum Beispiel der ägyptischen, steht der Islam für viele Menschen über allem Anderen. Eine Beleidigung des Propheten kommt damit für viele einer Beleidigung ihrer selbst gleich. Der Film versucht alles, um genau dies zu erreichen. Es handelt sich um eine geschickt zusammengestellte Kombination der größtmöglichen Beleidigungen der Gefühle konservativer Muslime.

Gleich zu Beginn des Videos brennt ein mit Schwertern bewaffneter muslimischer Mob ein christliches Viertel nieder und schneidet einer Christin die Kehle durch. Ein entkommener christlicher Arzt versucht daraufhin, Familienangehörigen auf einer Schreibtafel in einer absurden mathematischen Gleichung vorzurechnen, dass Islam mit Terror Weiterlesen

Präsident Mursi konsolidiert seine Macht

Schritt für Schritt erweitert Präsident Mohammed Mursi seine Kontrolle über den ägyptischen Staatsapparat. Kritiker werfen ihm Machthunger vor. Doch die Muslimbrüder weisen dies entschieden zurück.

60 Jahre lang bestimmte die Armee die Politik Ägyptens. Ein Präsident, der nicht aus dem Militär stammte, war unvorstellbar. Als es mit Mohammed Mursi dann noch ein Muslimbruder wurde, trauten viele Ägypter Ihren Augen kaum. Über Jahrzehnte hinweg hatten die Militärherrscher die Mitglieder dieser islamistischen Organisation unterdrückt. Es überraschte daher auch nicht, dass der Militärrat, der das Land seit dem Sturz Mubaraks regierte, die Machtfülle des neugewählten Präsidenten massiv einschränkte. Mitte August schließlich schlug Mursi zurück. Zusammen mit jüngeren Mitgliedern des Militärrats versetzte er den bisherigen Vorsitzenden dieses Gremiums und viele andere Generäle in den Ruhestand. Der Einfluss des Militärs auf die Politik hat sich seither erheblich verringert.

Und Mursi nutzt seine neu gewonnene Handlungsfreiheit, um seine Macht weiter zu stabilisieren. Systematisch besetzt er inzwischen Schlüsselpositionen im Staatsapparat mit seinen Leuten. Obwohl einige, vor allem liberale Ägypter, Angst vor einem autoritären Muslimbruderstaat haben, Weiterlesen

Zäsur in Ägyptens Außenpolitik

Lange spekulierten westliche Experten, wie die neue Außenpolitik Ägyptens aussehen würde. In Teheran konnten sie nun eindrucksvoll beobachten, anhand welcher Leitlinien sich Ägypten in Zukunft orientieren wird.

In der Vergangenheit waren es vor allem die Interessen der USA, die das internationale Verhalten des sich inzwischen demokratisierenden Landes am Nil prägten. Doch diese Zeiten dürften endgültig vorbei sein. Ägyptens neue Außenpolitik wird sich in Zukunft vor allem an den Interessen eines Landes orientieren: nämlich Ägyptens oder genauer gesagt, des ägyptischen Volkes.

Der Besuch Präsident Morsis im Iran war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Es war Weiterlesen