Ägyptens Frauen wehren sich

Bis zu 8000 Frauen, begleitet von etwa 2000 Männern demonstrierten am Dienstag in Kairo, um sich gegen die zunehmenden Gewaltattacken des Militärs auf demonstrierende Frauen zu wehren. Inzwischen hat das Militär sein „Bedauern“ ausgedrückt. Glaubwürdige Untersuchungen derartiger Gewalt durch die Armee gab es in der Vergangenheit jedoch nicht und wird es wohl auch jetzt nicht geben.

Die Demonstration war ein bunter Mix aus verschleierten wie auch kopftuchlosen Frauen aller Altersschichten, die geeint durch die Wut auf die Misshandlung von Frauen durch das Militär in die Innenstadt zogen. Es war vor allem ein Video und ein Foto, das diese Frauen auf die Strasse brachte. Es zeigt wie eine vor mit Knüppeln angreifenden Soldaten fliehende verschleierte Frau zu Boden geworfen und anschließend brutal verprügelt wird. Selbst als die Frau bereits völlig wehrlos auf dem Boden liegt, treten und schlagen die Soldaten weiter auf sie ein. Eine ihr zu Hilfe eilende ältere Frau wird ebenfalls erbarmungslos verprügelt. Am Ende bleibt die zuerst angegriffene Frau regungslos mit fast nacktem Oberkörper auf der Straße liegen. Das Foto eben dieser Szene verbreitete sich nicht nur weltweit in rasendem Tempo, sondern erreicht zunehmend mehr und mehr Ägypter.

Die am Dienstag demonstrierenden Frauen stimmten in von Wut getragene Gesänge wie „Ägyptens Frauen sind eine rote Linie“ oder „nieder mit der Militärherrschaft“ ein und hielten dabei besagtes Foto in die Höhe. Doch dieses Bild ist nur das Symbol für ein weit größeres Ausmaß an Verbrechen des Militärs gegen politisch aktive Frauen. Die Aktivistin Ghada Abdalkhalaq Weiterlesen

Ägypten Update: Propaganda des Militärrats und die Positionierung der Moslembrüder

Soldaten errichten eine Mauer in der Qasr Al Aini Strasse nahe dem Tahrirplatz; Foto: M. Sailer

Soldaten errichten eine Mauer in der Qasr Al Aini Strasse nahe dem Tahrirplatz; Foto: M. Sailer

Die Zahl der Toten stieg am Montag um mindestens 2 auf insgesamt mindestens 12 (Quelle: Gesundheitsministerium). Andere Quellen sprechen von 3-6 neuen Toten. Inzwischen hat das Militär mit großen übereinander geschichteten Steinklötzen zwei Straßen (eine dritte bereits im November) die direkt oder indirekt zum Tahrirplatz führen abgesperrt, um die Demosntranten am weiteren Vordringen zu hindern. Erneut bewarfen sich Soldaten und Demonstranten mit Steinen.

Auf einer Pressekonferenz, zu der mit wenigen Ausnahmen fast nur ägyptische Medien eingeladen wurden, wies General Adel Emara jegliche Kritik am Vorgehen des Militärs zurück: „Wir haben keine Gewalt gegen die Demonstranten eingesetzt und es gibt keine Beweise dafür. Die Demosntranten waren nicht friedlich.“ Man muss das angesichts der unzähligen Videos und Augenzeugenberichte, die die brutale Gewalt des Militärs dokumentieren, als Lüge bezeichnen -ich selbst habe Soldaten in Uniform gesehen, die stundenlang große Steinbrocken auf Demonstranten warfen. Emara gab zu, dass ein Demonstrant in das Parlamentsgebäude ging und schwer verletzt (WARNUNG: Video zeigt deutlich die Verletzungen) wieder hinaus gebracht wurde. Dass er im Inneren des Gebäudes schwer verprügelt und mißhandelt wurde, Weiterlesen

Ägypten: bisher 10 Tote nach Militärattacke auf Demonstranten

Brennende Zeltreste nach dem Angriff durch das Militär im Zentrum des Tahrirplatzes; Foto: M. Sailer

Hunderte Verletzte und 10 Tote sind die bisherige Bilanz der seit Freitag erneut aufgeflammten Straßenkämpfe zwischen Demonstranten und Militär in Kairo. Letzteres versuchte, die Demonstration mit brutaler Härte niederzuschlagen.

Auslöser war nach Aussagen der Aktivisten die Verschleppung eines Demonstranten durch das Militär in das Parlamentsgebäude, wo Soldaten ihn schlimm zusammengeschlagen haben. Die Demonstranten hatten seit den letzten Protesten im November eine Sitzblockade vor dem Parlaments- und Kabinettsgebäude begonnen. Ein Internet-Video zeigt das blutige und stark geschwollene Gesicht des jungen Mannes. Der neue Premierminister gestand in einer Pressekonferenz die Misshandlung zwar ein, verurteilte jedoch die Reaktion der Demonstranten, die anschließend Steine und Molotowcocktails auf das Gebäude warfen.

Was dem Vorfall folgte, war eine Orgie der Gewalt durch das Militär, das in solchen Fällen bisher die verhasste Bereitschaftspolizei vorgeschickt hatte: Soldaten stürmten auf den Tahrirplatz,  schlugen mit Knüppeln Weiterlesen

Soldaten werfen Steine von Dächern auf Demonstranten

Die beiden Bilder zeigen auf dem Parlamentsgebäude stehende Soldaten, die große Steine (teilweise Ziegelsteingröße) heute in der Qasr Al Aini Straße (nahe Tahrirplatz) auf die darunter protestierenden Demonstranten warfen. Einige trugen die gut sichtbaren Helme andere waren  an der Tarnhose und den T-Shirts zu erkennen:

Foto: M. Sailer

 

Foto: M. Sailer